Der schlimmste Abschied für mich kam 2007.
Es hat Ende 2006 angefangen. Meine Tante Moni, wie eine zweite Mutter für mich, ging mit starken Schmerzen im Nierenbereich zum Arzt. Ihr wurden Nierensteine diagnostiziert. Davon gingen dann natürlich auch alle aus, denn man denkt einfach nicht daran, das Ärzte sich irren oder eine Fehldiagnose machen. Tja, davon geht man aus .. Nachdem es sich ziemlich lange gezogen hatte mit den Schmerzen, bestand meine Mutter darauf, das Moni in die Röhre muss. Sie hat die Ärzte schon fast dazu gezwungen. Gut, Moni bekam dann auch eine Überweisung und hatte schnell einen Termin in der Klinik ..
Ich weiß es noch genau, so als wäre es gestern gewesen. Ich war gerade in meinem Zimmer und las ein Buch, als Mama und meine Schwester Jessy rein kamen, Mama mit verquollenen Augen und sagte, wir müssen reden. Es kam dann noch meine Schwester Sabrina dazu und dann saßen wir da, starrten Mama an, warteten gespannt darauf, was denn so schlimmes passiert sei.
"Moni hat Krebs. Bauchspeicheldrüsen Krebs. Man kann nichts dagegen tun. Wenn sie, wenn wir alle Glück haben, dann lebt sie vielleicht noch ein Jahr."
Es war ein Schock. Niemand wusste, was man jetzt am besten sagen sollte, wie am besten reagieren. Natürlich weinten wir viel, denn Moni war irgendwie auch so ein Mittelpunkt der Familie. Jeder liebte sie einfach. Mit ihren rot gefärbten Haaren, die sie immer schön gestylt hatte, war sie unsere Sonne. Immer gut drauf und auch immer für jeden da!
Am Anfang ging es ihr noch relativ gut, doch es gab auch sehr viele Tage, an denen sie einfach nur im Bett lag und nichts tun wollte. Es war einfach alles zu anstrengend. Moni wollte zuhause gepflegt werden, im gewohnten Umfeld, bei ihren geliebten Menschen. Meine Schwester Sabrina und meine Patentante kündigten ihre Jobs und pflegten ab dem Zeitpunkt meine Tante. So sehr liebten wir sie. Wir hätten alles getan, um sie glücklich zu machen. Sie sollte die Zeit die ihr noch blieb so "schön" wie möglich verbringen können. Wenn ich mit meinen 14 Jahren nicht gerade voll und ganz in der Schule eingespannt war, dann war ich auch immer bei ihr. Zum Glück wohnte sie nur eine Ortschaft nebendran. Wir aßen zusammen zu Abend, schauten TV oder lenkten sie einfach mit Geschichten und alltäglichen Geschehnissen von ihrem Leid, ihren Schmerzen ab. Bei Moni waren immer ihr Mann und ihre drei Kinder, meine Eltern und Schwestern und meine Patentante. Sie war nie alleine. Ich habe diesen Zusammenhalt bewundert. Natürlich musste jeder immer sehr Stark wirken, doch wenn wir ehrlich sind, dann ist jeder mehr als nur einmal zusammengebrochen, als die Tür ins Schloss fiel.
Was ich außerdem noch liebte war, was wir als Familie und die komplette Verwandschaft taten, um sie lächeln zu sehen.
Wir kauften ihr einen Stern am Himmel, überreichten ihr die "Urkunde" davon und dazu lief von DJ Ötzi "Ein Stern." Ich kann das Lied bis heute nicht hören, ohne zu weinen.
Wir haben große Laternen angezündet, Wünsche aufgeschrieben und diese zusammen in den Himmel entschweben lassen. Wir haben für sie den Garten komplett umgegraben und eine wunderschöne Terrasse gebaut, auf der sie bei schönem Wetter immer in der Sonne sitzen konnte.
Natürlich wollten wir viele schöne Dinge haben, an die wir uns noch erinnern konnten.
Doch dann kam der 29.07.2007.
Ich kam gerade von einem Geburtstagswochenende eines Freundes zurück, als meine Mama meinte, sie würde mich abholen, Moni geht es nicht gut.
Dort angekommen sah ich, was sie mit "nicht gut" meinte. Moni lag in einem art Wachkoma. Noch irgendwie anwesend, aber irgendwie auch nicht.
Sie hörte uns, aber reagierte nicht. Für mich war es unbegreiflich, wie es ihr nur jetzt so schlecht gehen konnte. Ein Woche zuvor meine der Arzt es würde bergauf mit ihr gehen! Wieso ging es ihr dann jetzt so schlecht?
Abends kam ein Arzt vorbei und sagte uns, sie würde die Nacht nicht überstehen, wir sollten uns verabschieden. Das taten wir.
Alle verließen den Raum, saßen vor dem Haus auf der Mauer oder auf der Treppe. Einzeln gingen sie rein, sprachen mit ihr, verabschiedeten sich.
Dann kam ich an die Reihe. Da ich mich alleine nicht traute, kam meine Mama mit. Sie blieb an der Tür stehen und ich ging zu Moni ans Bett. Ich kann noch auswendig, was ich zu ihr gesagt habe
"Hey .. Du hast es jetzt geschafft, bald bist du erlöst. Du kannst Alexandra Gesellschaft leisten, dann ist sie nicht mehr so alleine. Du warst die wundervollste Tante, die man sich je wünschen konnte. Hoffentlich sehen wir uns irgendwann wieder. Ich hab die so, so lieb, Moni."
Noch nie ist mir in meinem Leben etwas so schwer gefallen.
Wer Alexandra ist? Das war ihre Tochter, meine Cousine. Ich kannte sie nicht, denn Alexandra kam mit einer Behinderung auf die Welt und verstarb bereits mit 2 Jahren.
Moni schaffte nicht nur diese Nacht, nein, sie schaffte es bis zu der Nacht vom 31.07.2007.
Kurz nach 0 Uhr, am 01.08.2007 hörte Moni auf zu atmen.
Man gab ihr ein Jahr, doch nach 4 Monaten verlor sie ihren harten Kampf.
Man gab ihr ein Jahr, doch nach 4 Monaten verlor sie ihren harten Kampf.
Moni, meine wundervolle Tante.
Um noch einmal an sie zu denken, höre ich das Lied von der Beerdigung.
Moni, du fehlst mir so sehr.
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